Interviews
Europameisterschaft PDF Drucken E-Mail

Bereits im kommenden Jahr finden Europameisterschaften statt. Und das im schweizerischen Kanton Zug. Hat sich die Schweiz demnach auch bereits als Veranstalter einen Namen gemacht?

Mayer: Wir von der Swiss Haidong Gumdo Association haben bereits einen grossen Event in der Schweiz mit internationaler Beteiligung durchgeführt. Im Oktober 2005 kamen rund 50 Schwertkampfkünstler aus ganz Europa zum 1. European Leader Summit zusammen. Es war ein sehr gelungener 4 Tages Anlass, der mit dem Besuch des Weltpräsidenten Kim Jeong-Ho ein Highlight besonderer Art darstellte.

Danach trat das Swiss Team im März 06 in Paris Bercy an der Budo Gala sehr erfolgreich vor 15000 Zuschauern auf. Eurosport hat diesen Event ebenfalls übertragen.
Diese zwei Anlässe mit der schweizerischen Perfektion haben den Ausschlag gegeben, dass wir nun im Juni 07 auch die 1. Europameisterschaften durchführen können. Wir freuen uns sehr darauf, ist es doch wieder eine Pioneerleistung die von uns abverlangt wird und auf diese haben wir uns wohl spezialisiert!

Erhoffen Sie sich mit der Durchführung auch eine breitere Etablierung Ihrer Kampfkunst?

Mayer: Wir möchten Erfahrungen sammeln und mit diesen wachsen. Jeder persönlich und als Gruppe im Ganzen. Natürlich wird dieser Anlass auch in der Schweiz für Echo sorgen und wir hoffen, die koreanische Schwertkampfkunst Haidong Gumdo den Menschen näher bringen zu können.

Auf der sportlichen Ebene dürften die heutigen Mitglieder der Nationalmannschaft Favoriten an den Start gehen. Ist das Team für die EM bereits festgelegt?

Mayer: Nein, wir sind gerade daran, ein OK zu bilden und werden uns mit der Trainingsvorbereitung erst ab Januar 07 tiefer befassen. Wir sehen uns nicht als Favoriten, denn das würde unsere mentale Energie wieder blockieren und unnötig Stress auslösen. Wie schon gesagt, wir lassen es fliessen wie Wasser, denn dann ist alles möglich…!

Und die Ziele?

Mayer: Ein grossartiges Treffen von wunderbaren Menschen aus verschiedenen Ländern der Welt veranstalten. Spass haben und sich auf einer freundschaftlichen Ebene im Wettkampf messen. So wird es bestimmt für die Teilnehmer, die Zuschauer und uns wieder ein einmaliges Erlebnis! Sie sind alle herzlich eingeladen, dabei zu sein!

 
Instruktorenausbildung PDF Drucken E-Mail

Die überdurchschnittliche Wachstumsrate des Haidong Gumdo dürften den Vertretern der hierzulande bekannteren Kampfkünste unverständlich sein. Woher rührt dieser weltweite Erfolg des Haidong Gumdo?

Mayer: Haidong Gumdo ist eine reine koreanische Schwertkampfkunst mit einer 1700 Jahre alten Geschichte! Nun kann man diese Kunst seit 1982 in Korea und seit 7 Jahren in Europa lernen. In dieser Zeit, haben sich über 1.2 Millionen begeisterte Menschen in 51 Ländern rund um die Welt von der Dynamik und Vielseitigkeit anstecken lassen. Es liegt wohl an der Art und Weise, wie die koreanischen Meister diese Kunst vermitteln. Mit einer sehr grossen Professionalität, viel Herz und Freundlichkeit! Der Einfluss der Filmindustrie hat sicherlich auch einen kleinen Teil dazu beigetragen…;-)!

In der Schweiz wird zurzeit gezielt auf die Ausbildung von Instruktoren hingearbeitet. Ein eindeutiges Indiz, dass die Zeichen auch in der Schweiz auf Wachstum stehen.

Mayer: Die Verbreitung einer neu zu lernenden Kampfkunst ist unter anderem abhängig von den geeigneten Instruktoren, die sie vermitteln. Ich alleine kann nicht in der ganzen Schweiz unterricht geben, dazu fehlt mir die Zeit. Demzufolge braucht es Instruktoren, die wir nun nach erfolgreichem ersten Lehrgang erneut ausbilden. Wir haben im Moment in Baar, Menzingen (ZG) und Hägendorf (SO) je ein privates Dojang eröffnet. Ab Mai 07 wird das vierte in Meggen (LU) eingeweiht. Weitere sind in Basel und Zürich in Planung.

Welche Qualifikationen muss ein Anwärter erfüllen, um die Ausbildung antreten zu können?

Mayer: Für den Instruktoren Kurs braucht es zuerst einmal Leute die grosses Interesse an der Schwertkampfkunst haben. Dann ist es von Vorteil, wenn man schon Erfahrung in einer Kampfkunst hat, ev. schon einen Lehrergrad darin besitzt. Dann muss man sich für den Vorkurs anmelden der am 2. September von 14.00 – 17.00 Uhr durchgeführt wird. An diesem Vorkurs entscheidet sich dann, wer definitiv geeignet ist und den Kurs mit Beginn am 23./24. September 06 unter der Leitung von Master Han Sang Hyun (6. Dan) absolvieren darf. Ein Grundsatz heisst; wer nicht versucht der nicht gewinnt!

Die erste Staffel hat die (Grundausbildung) bereits erfolgreich absolviert. Ist bereits absehbar, aus welchen Kampfkünste ein Einstig ins Haidong Gumdo eher geeignet ist?

Mayer: Wir hatten in der 1. Instruktoren Ausbildung Kampfkünstler aus den Stilrichtungen: Karate, Judo, Kung-Fu, Tai Chi, Qi Gong, Escrima, Taekwondo und Hapkido. Von 14 Teilnehmern haben 11 den Kurs mit Erfolg abgeschlossen und den 1. Dan von Master Han Sang Hyun 6. Dan (Technical Director Europe) erhalten. Es ist durch die Sprachverbindung sicherlich vorteilhaft, wenn man vom Taekwondo oder Hapkido kommt. Auf der andren Seite sind Kampfkünstler die schon mit Schwert trainiert haben etwas „vorbelastet“ was Vor- oder Nachteile bringen kann, je nach dem wie offen man für das Neue ist!

Kritische Stimmen betonen, dass solche Ausbildungen gänzlich im Gegensatz zu den Kampfkünsten stehen, welche für eine über Jahrzehnte dauernde und mit umfassender Verinnerlichung einhergehenden Schulungen stehen. Sie sprechen gar von einer „Schnellbleiche“.

Mayer: Diese „Kritiker“ lade ich am liebsten und sehr gerne zu unserem Seminar ein, um sich direkt und mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass die Ausbildung und die damit ausgebildeten Instruktoren einem guten Level entsprechen! Zudem habe ich in meinen 32 Jahren Budolebens erfahren können, dass es nicht auf die Länge sondern auf die Essenz ankommt, die man vermittelt. Nicht zu vergessen ist der wirtschaftliche Hintergrund, den sich manche Ausbilder mit unnötiger Zeit zu Nutze- und damit Kasse machen.

Ist der heutige Stellenwert eines hochrangigen Schwertkämpfers in Korea vergleichbar mit jenen in Japan, wo z.B. Iaido Meister auch im soziokulturellen oder gar in wirtschaftlichen Bereichen ein hohes Ansehen genießen.

Mayer: Die koreanischen Grossmeister und Meister die ich kenne, allen voran der Präsident der World Haidong Gumdo Federation Grossmeister Kim Joeng-Ho, sind alle sehr angenehme und freundliche Menschen! Man kann sehr gut mit ihnen reden und sie schauen nicht von oben herab zum Schüler! Der Respekt wird gegenseitig und allgegenwärtig praktiziert! In Korea selber werden diese Menschen sehr geschätzt. Sehr viele Kinder praktizieren in Korea Haidong Gumdo. Es wird auch an den Schulen offiziell als Schulfach unterrichtet. Da nun die Kinder unsere Zukunft bestimmen, und die Eltern den Meistern ihre Kinder für das Training anvertrauen, denke ich ist die Arbeit dieser Schwertmeister von grösster Wichtigkeit. Wie weit sich das vergleichen lässt mit Japan, kann ich nicht im Detail sagen.

Diesen Statuts werden die Athleten in der Schweiz nur schwerlich erlangen. Worin bestehen die Motivatoren für eine Ausbildung zum Instruktor?

Mayer: Ich glaube der Status ist nicht so wichtig! Viel wichtiger ist, dass man durch das regelmässige Training von Haidong Gumdo einen Teil seines eigenen Lebens besser zu meistern fähig wird. Und wenn man dann als Instruktor eine eigene Gruppe unterrichten darf, kann man seine Erkenntnisse und Erfahrungen den Mitmenschen weitergeben und so positiven Einfluss nehmen. Dieses Glücksgefühl gönne ich jedem Menschen und hoffe, dass möglichst viele eines Tages diese positiven Emotionen erleben dürfen.

 
Weltmeisterschaft 2006 PDF Drucken E-Mail

Erfolgreich von den Weltmeisterschaften in Korea zurückgekehrt, heisst es für Master Christian Mayer nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Denn bereits stehen weitere Projekte in der Pipeline. Master Christian Mayer im Interview mit Swissbudo.

Herr Mayer, Sie sind mit der Nationalmannschaft überaus erfolgreich aus Korea zurückgekehrt (wir berichteten). Bei rund 15'000 Teilnehmern aus der ganzen Welt scheint dies eine unglaubliche Leistung.

Mayer: Ja, wie es so schön heisst, manchmal ist auch unglaubliches möglich, wenn man es TUT! Wir haben ein sehr gutes Team in den letzten zwei Jahren aufgebaut. Die Stimmung ist wirklich sehr gut und die Motivation etwas ganz Grosses zu vollbringen ebenfalls, da kann es gar nicht schief gehen. Ich habe als „Nati-Coach“ ein ganzheitliches Konzept für 6 intensive Monate aufgebaut mit Trainingsinhalten wie, Mental- und Ki Training, Kinesiologie, Höhentraining, technisches Schwerttraining mit Meister Han und Meister Lee aus Korea, Teambildung usw. Nun dieses Konzept ist voll aufgegangen und hat seine positiven Spuren hinterlassen.

Ist denn das Leistungsgefälle zwischen den Ländern so gross, dass auch ein „Newcomer“ wie die Schweiz gleich vorne mitreden kann?

Mayer: Einige von uns waren zwar in der Schwertkunst „Newcomer“, jedoch blicken viele Nationalmannschaftsmitglieder auf jahrzente lange Budo Erfahrung zurück! Auch diesen Erfahrungswert half uns bei der Entwicklung der WM – Gruppenform. Zudem braucht es einfach die richtige Einstellung dazu, erfolgreich zu sein. Mann darf sich nicht im Gedanken Gold zu holen verlieren, sonst blockiert die Energie!
Wir leben nach dem Satz: „Erwarte nichts aber sei offen für alles“!
Es gab Länder wie Australien oder die USA und natürlich Korea, die sehr stark waren in Ihren Darbietungen. Sie trainieren ja auch viele Jahre mehr als wir. Vielleicht hatten sie etwas das falsche Konzept? Zudem kann man ja nicht in allen Disziplinen top sein!

In welchen Disziplinen treten die Athleten an?

Mayer: Die meisten von uns hatten eine Teilnahme in drei verschiedenen Disziplinen:

  1. Individual Gumbub das sind festgelegte Einzelformen, wie im Karate die Kata
  2. Gyukgum der selbst einstudierte Kampf mit dem Gegner
  3. Group Sword Dance die Gruppe von 8 Personen läuft eine eigene Koreographie
    Zudem gab es noch folgende Disziplinen:
  4. Group Gumbub eine Gruppe läuft festgelegte Formen
  5. Bamboo Pole Cutting Bambus schneiden

Mit Jeannette Robe war die Schweiz in Korea auch mit einer Athletin vertreten. Wird bei Frauen und Männern der gleiche Masstab angewandt oder gibt es unterschiedliche Kategorien?

Mayer: Bei den Individual Gumbub, werden die Frauen mit den Männern an den Start gelassen, sind jedoch bei Punktegleichheit etwas bevorzugt! Das gleiche gilt für die jüngere Generation, die auch einen kleinen Altersbonus hat. Im Kampf mit dem Schwert ist es von Vorteil wenn eine Frau und ein Mann einen Kampf bestreiten und noch besser wenn die Frau den einstudieren Kampf gewinnt, das lieben die Koreaner! Generell geht es sehr fair zu und her und die Schiedsrichter sind sehr gut und haben ein gutes Auge.

Was bedeutet der Erfolg für das Nationalteam. Stehen solche sportlichen Erfolge im Zentrum des Haidong Gumdo?

Mayer: Wir haben uns natürlich sehr darüber gefreut, so erfolgreich in Korea zu sein! Jedoch ist der sportliche Teil im Haidong Gumdo nicht der Zentrale Punkt. Wir machen keinen Kampfsport wo gute Resultate an Turnieren und Wettkämpfen von grösster Wichtigkeit sind. Wir betreiben die Schwertkampfkunst, wo jeder Schwertkämpfer sein wichtigster Gegner in sich selbst wieder findet. Die Harmonie von Körper und Geist steht im Mittelpunkt!

 


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